Text zu ada goes garage - "reinkommen on screen" (9.-11. Oktober 2020) von Anuya Rane

 

 

Vom 9. bis 11. Oktober 2020 stellte Saskia Oidtmann ihre Recherchearbeit im Rahmen von ada goes garage - "reinkommen on screen" vor.

 

Saskia Oidtmann präsentiert ihre Recherche, Gedanken über die Körperverhältnisse, online im Rahmen der Reihe "reinkommen on screen". Arbeitsprozesse vor Publikum zu veröffentlichen, ist keine Besonderheit mehr. Die Freie Szene, oder soll ich sagen, die Freie Tanz-Szene, lässt sich über work-in-progress, Experimente, offene Proben definieren. Was ist nun daran speziell? Jede*r Künstler*in stellt sich Fragen. Die Fragen werden geäußert und richten sich an das Publikum. Oftmals sehen wir uns sowohl als Künstler*in wie auch als Zuschauer*in mit den gleichen Fragen konfrontiert. Wie kommt es zu diesem Phänomen der Wiederholung? Werden die Fragen niemals abgenutzt? Höchstwahrscheinlich steht ein größerer Raum noch offen für Erfindungen.

Bei einer Performance zu sein und mittendrin, unbewusst, in Gedanken plötzlich woanders hin zu wandern, passiert uns oft, wenn nicht immer. Was auf der Bühne geschieht, erinnert uns an etwas, inspiriert uns, berührt uns, beeinflusst deutlich die Atmosphäre und die Stimmung. Neben der Präsenz im Performance-Raum gleichzeitig einen anderen offenen Raum zu erforschen, scheint das Ziel von Saskias Recherche zu sein. Räume öffnet sie mehrfach und damit mehrere Perspektiven. Gerade, wenn wir sachdienlich mit dem Thema körperlicher Abstand, virtuelle Präsenz umgehen, schwingt die "live action" zwischen real und irreal. Saskias Recherche, wie ich es spüre (nach der Vorstellung habe ich es im Internet ebenso gelesen), widmet sich der Natürlichkeit, Empfindlichkeit der Bewegung, dem Körperverhältnis sowie dem gesellschaftlichen Benehmen. Während der ganzen Performance ist sie da, körperlich anwesend, jedoch virtuell. Die Zuschauer*innen erhalten Kenntnis von ihrer Anwesenheit, leider ohne direkten Zugang zu ihr und ihren Bewegungen. (Was mir zu diesem Punkt stark einfällt ist, dass es keinen Austausch zwischen der Künstlerin und dem Publikum bezüglich Unzufriedenheit, Unannehmlichkeit gibt. Die körperliche Reaktion eine*r Zuschauer*in vis a vis zum Geschehen auf der Bühne erweist sich als ein fremdes Konzept.) Dazu kommt noch, dass ein großer Teil der Performance auf die Studiowand projiziert ist. Wie ein Film im Film. Saskia und die Gastkünstlerin, Rosalind Masson, bewegen sich im selben Raum, in dem die Performance gerade stattfindet, nur dass es gefilmt ist und auf die Wand projiziert wird. Selbstverständlich wird die Grenze zwischen dem spürbaren Raum, natürlicher Präsenz, körperlicher Distanz und körperlicher Nähe unscharf, wenn nicht verwirrend.

Die Performerin bewegt sich allein im Raum, und in dem gefilmten Teil bewegen sich die beiden Künstlerinnen nebeneinander. Vom choreografischen Standpunkt aus betrachtet gibt es keine Überraschungen. Die Phrasen sind klar, unkompliziert und natürlich. Da erschließt sich für mich der Titel "par terre". Tatsächlich bewegen sie sich hauptsächlich "par terre", Kontakt zum Boden. Der Körper und die Natur hängen zusammen. Das Körperbewusstsein ist unterschiedlich, wenn es zum direkten Kontakt mit der Natur kommt. Hier frage ich mich, warum ändert sich unsere Körpersprache, wenn wir uns mit anderen Menschen zusammenfinden? Da hilft mir diese Raum-Perspektive, die der gefilmte Teil liefert. Es wird mit dem Abstand gespielt, Abstand zwischen Menschen, Abstand durch die Medien. Der Raum wird größer, und alles, was sehr weit entfernt war, erscheint noch weiter weg, oder doch viel näher, da wir uns in dem vergrößerten Raum verlieren…

Mir gefällt in diesem ganzen Setting das Schattenspiel. Ich nenne es so. Die Performerin bewegt sich vor der Wand. Durch das Projektionslicht erscheint hinter ihr ihr Schatten. Sie lässt ihren Körper sich bewegen, damit bewegt sich der Schatten. Diese Dualität wird sehr ergreifend, da sie die Bewegung akzentuiert und gleichzeitig von sich selbst trennt.

Ich habe mich gefragt, wie es gewesen wäre, wenn ich in diesem Raum gewesen wäre. Wie hätte ich es dann gesehen, dass die Performerin zu einem Teil auf der Bühne sitzt oder tanzt und zum anderen Teil auf der Leinwand zu sehen ist?


Das ada Studio wird seit 2008 als Produktionsort von der Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Europa gefördert.


 

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