„neworks“ (29./30. Mai 2026) - von und mit Bobi H. Stojaković & SERCE fka Marta Marja Ruszkowska
Bobi H. Stojakovic und SERCE zuzusehen fühlte sich an, als würde ich in eine Erinnerung eintauchen, die mir nicht ganz gehört, die aber irgendwie in meinem Körper lebendig ist. Ihre Arbeit strahlte die seltsame Zärtlichkeit alter, von der Geschichte überschatteter Feste aus, bei denen der Tanz sowohl Flucht als auch Überbleibsel ist. Es hat mich bewegt, wie die Bewegung zwischen Freude und Eindringlichkeit schwebte, als würde der Körper noch lange weiter tanzen, nachdem die Worte versagt hatten. In diesem unerklärlichen Impuls, sich gemeinsam zu bewegen, lag etwas zutiefst Menschliches. Nicht spirituell, nicht performativ, sondern fast wie eine Erinnerung, die darauf bestand, noch einmal durch den Körper gefühlt zu werden.
Watching Bobi H. Stojakovic and SERCE felt like entering a memory that did not fully belong to me yet somehow lived inside the body. Their work carried the strange tenderness of old celebrations shadowed by history, where dance becomes both escape and residue. I was moved by how the movement hovered between joy and haunting, as if the body continued dancing long after words had failed. There was something deeply human in this unexplained impulse to move together. Not spiritual, not performative, but almost like memory insisting on being felt through the body once again.
@dancewithlav (Sri Lavanya)
Das Stück von Bobi und SERCE endete mit einem Blues der Beiden in abendlich-romantischem Licht, den ich mir in einem altmodischen Wohnzimmer mit einer Schrankwand, darin ein Plattenspieler, vorstellte. Sie scheinen ein ganzes gemeinsam verbrachtes Leben zu tanzen, und erst hier erschlossen sich mir alle vorangegangenen Szenen des Abends, in denen die Beiden mal achtlos aneinander vorbei liefen, sich zufällig berührten, diese Berührungen aber folgenlos blieben. Oder wie sie zu kitschigen (und offenbar kultigen) polnischen und kroatischen Liebesliedern an der Rampe eine emotionale Übersetzung für uns tanzten. Ich fragte mich am Schluss auch, warum wir Zuschauenden so oft gelacht haben. Ich glaube, es war die Leichtigkeit, mit der an diesem Abend (scheinbar) große Gefühle verhandelt wurden.
Bobi and SERCE’s piece ended with the two of them dancing a blues in the romantic glow of the evening, which I imagined taking place in an old-fashioned living room with a wall unit housing a record player. They seem to be dancing an entire life spent together, and it was only here that all the previous scenes of the evening made sense to me — scenes in which the two would sometimes walk past each other carelessly, touch by chance, yet these touches remained without consequence. Or how they danced an emotional interpretation for us on the ramp to cheesy (and apparently iconic) Polish and Croatian love songs. At the end, I also wondered why we in the audience had laughed so often. I think it was the lightness with which (seemingly) grand emotions were handled that evening.
Besucher*in / guest, anonym
Vielleicht anders, als von den Künstler*innen gedacht, habe ich in der Performance die Darstellung einer komplexen Beziehungsarbeit gesehen. Vom anfänglichen hintereinander herlaufen, über das gegenseitige „abschleppen“ bis zum umeinander „umhertänzeln“. Die Performance der beiden Künstler*innen hat mich an die Art romantischer Beziehungen erinnert, wie sie in den Nachkriegszeiten typisch war: geprägt von Unsicherheiten, fehlender Kommunikation, Gewalt und toxischen Verhaltensmustern. Die Stimmung, die die Tänzer*innen durch ihre Bewegungen und Mimik erzeugten, war angespannt, zwischendurch lustig, dann wieder leicht bedrohlich. Eben geprägt von unsäglichen Schwankungen, die von außen betrachtet, eine stabile Beziehung unmöglich machen.
Perhaps contrary to the artists’ intentions, I saw the performance as a depiction of the complexities of a relationship. From the initial chasing after one another, to the mutual “dragging” of each other, to “dancing around” one another. The performance by the two artists reminded me of the kind of romantic relationships typical of the postwar era: marked by insecurities, a lack of communication, violence, and toxic patterns of behavior. The atmosphere the dancers created through their movements and facial expressions was tense, at times funny, then slightly threatening again. In short, it was marked by unspeakable fluctuations that, viewed from the outside, make a stable relationship impossible.
@Tui.bth (Marie Bonath)
