Raisa Kröger: a.r.t.
Choreografie & Tanz: Raisa Kröger
Musik: Girls United
Die Arbeit an meinem Solo „a.r.t.“ ist eine permanente Unterhaltung meiner zwei künstlerischen Selbst:
Raisa1: Das Solo „a.r.t.“ habe ich 2007 im Rahmen des Mentoringprojekts „Bausteine“ bei den Tanztagen erarbeitet und gezeigt. Meine Mentorin damals war Isabelle Schad.
Raisa2: Das Solo „a.r.t.“ zeige ich 2025 im Rahmen von „ada19 – Navigating Obstacles, Celebrating Companionship“. Meine Gastgeberin und Initiatorin ist Gabi Beier.
Raisa1: Das Solo „a.r.t.“ verhandelt Bedingungen zeitgenössischen Tanzes mit Augenmerk auf Raum.
Raisa2: Das Solo a.r.t.“ verhandelt Bedingungen zeitgenössischen Tanzes mit Augenmerk auf Zeit.
Raisa1: In künstlerischer Hinsicht?
Raisa2: Mmmmh...ja auch. Bedingungen des Tanzes sind doch irgendwie auch Bedingungen von Körpern, Bedingungen von Menschen. Und die sind doch wiederum von einer zeitlichen Komponente geprägt. Es
gibt ja nicht nur ein was, wo und wie, sondern auch ein wann. Wie bewegt man sich durch die Zeit, wie bewegt die Zeit einen und wie bewegt man Zeit.
Raisa1: Aber diese zeitlichen Bedingungen von Körpern platziert man dann doch auch wieder in den Raum. Der ist doch nicht unerheblich...oder?
Raisa2: Genau, darum geht es. Bedingungen von Menschen, eben auch durch Zeit geprägte, in den Raum zu stellen. Und da Bedingungen oftmals als Hindernisse interpretiert werden, geht es vielleicht
beim Navigieren dieser „Hindernisse“ nicht so sehr um ein Umschiffen. Sondern vielmehr um ein Steuern durch feste Gewässer oder gar aus ihnen heraus.
Raisa1: Da muss ich direkt an das Thema der Reise denken, das mir in dramaturgischer Hinsicht unglaublich wichtig ist. Durch welche Zustände reise ich körperlich und wie kann ich das so klar und
detailliert für mich erarbeiten, damit das Publikum auch eine Reise eingehen kann. Eine ganz andere, aber gleichwertige.
Raisa2: Ha! Das hat sich eigentlich nicht wirklich geändert! Damit sind wir bei der Gemeinschaft. Eine solche ist für mich auf jeden Fall eine körperliche Angelegenheit. Eine Art Beieinander-Sein
von Körpern, ein Miteinander von Menschen, ein Beisammensein von verschiedenen Zeiten..von diversen Bedingungen. Und damit irgendwie auch die Gemeinschaften, die in jedem Körper individuell
leben...also auch jene Menschen, die nicht unbedingt bei einer Vorstellung anwesend sind, aber die/den Einzelne*n ausmachen.
Raisa1: So habe ich über Gemeinschaft und Miteinander eigentlich noch nicht wirklich nachgedacht.
Raisa2: Vielleicht muss für manche Gedanken einfach ein wenig Zeit vergehen...
Raisa1: Und solche Dinge feiert ihr jetzt?
Raisa2: Ja, im Prinzip schon. Navigating Obstacles, Celebrating Companionship.
The work on my solo “a.r.t.” is an ongoing conversation between my two artistic selves:
Raisa1: I developed and performed the solo “a.r.t.” in 2007 as part of the mentoring project “Bausteine” at the Tanztage. My mentor at the time was Isabelle
Schad.
Raisa2: I will be presenting the solo “a.r.t.” in 2025 as part of “ada19 – Navigating Obstacles, Celebrating Companionship.” My host and initiator is Gabi
Beier.
Raisa1: The solo “a.r.t.” negotiates the conditions of contemporary dance with a focus on space.
Raisa2: The solo “a.r.t.” deals with the conditions of contemporary dance with a focus on time.
Raisa1: In an artistic sense?
Raisa2: Mmmmh...yes, that too. The conditions of dance are somehow also the conditions of bodies, the conditions of people. And these, in turn, are shaped by a
temporal component. There is not only a what, where, and how, but also a when. How does one move through time, how does time move one, and how does one move time?
Raisa1: But these temporal conditions of bodies are then also placed back into space. That's not insignificant...is it?
Raisa2: Exactly, that's what it's all about. Putting people's conditions, including those shaped by time, into perspective. And since conditions are often
interpreted as obstacles, navigating these “obstacles” may not be so much about circumventing them. Rather, it's about steering through calm waters or even out of them.
Raisa1: That makes me think immediately of the theme of travel, which is incredibly important to me from a dramaturgical point of view. What conditions am I
physically traveling through, and how can I work this out for myself in such a clear and detailed way that the audience can also embark on a journey? A completely different one, but an equivalent
one.
Raisa2: Ha! That hasn't really changed! Which brings us to community. For me, community is definitely a physical matter. A kind of togetherness of bodies, a
togetherness of people, a gathering of different times... of diverse conditions. And with that, somehow, also the communities that live individually in each body... including those people who are
not necessarily present at a performance, but who make up the individual.
Raisa1: I haven't really thought about community and togetherness in that way before.
Raisa2: Maybe some thoughts just need a little time to develop...
Raisa1: And you're celebrating things like that now?
Raisa2: Yes, basically. Navigating Obstacles, Celebrating Companionship.