Text zu „neworks“ (12./13. März 2022) von Sharón Mercado Nogales, ins Deutsche übersetzt von Auro Orso

 

 

On Sunday, March 13, the work of Maika Knoblich “Babymaker” was presented at ada studio. Before the performance I saw the image of the program, the picture was composed of decorated porcelain tableware, plates, cups in different sizes one on the top of the other. This image created many associations for myself, like: western grand mothers, delicate material, textures, handmade, the danger of getting broke.

When I arrived at the show, I saw the chairs placed in half a circle and in the middle there were different kinds, colors, and styles of porcelain tableware situated on the floor. In between this whole mass of porcelain there were 2 barbies, one white and blond and other white with brown hair, a barbie car and a horse. Once we sat the performer started reading a text from a paper. A baby, who is about to be born, is being carried through these words.

 

After reading she places herself in the middle of the porcelain and she starts to build towers with the cups, plates and so on… one on the top of the other. I have to say that this action awakens many other senses in the audience, the act of observing every little move becomes highlighted as if we would like to predict what will fall soon. Little by little the performer built a city around herself, you can notice different kinds of architecture. The shape of the space changed and the perception too, you want to imagine yourself smaller to fit inside of this little city.

 

Two barbies meet on one side of this city, the performer makes them talk and a conversation of two upper class white women starts. One tells her problems and frustrations, while the other advises her with thoughtful but ironic messages. As I listen to this I keep thinking about the rare times I found myself witnessing a conversation like this, maybe not the same topic but the same tone. For myself it made reference to a privileged social class, at that moment I responded with the clarity that my thoughts sync with the image, - yes, of course they are two barbies.

 

The conversation extends and in the middle of this one Barbie, who was telling her problems, finally says the situation that was destabilizing her. A baby had not been born... The mother's desires and projections towards this new life cycle are confusing. After reading the program, I am left with the word “care”, I found myself naming in my head the things that are not “care” for me. The fact that a porcelain salt shaker full of salt breaks in the middle of the stage during the show made me take back the word care, the performer threw some salt behind her shoulder to avoid bad luck, maybe just then I understood what care means to myself.

 

The performer questions how delicate a piece of porcelain is and how much work is required to make such a piece, the next action: she throws the porcelain piece on the floor, breaking it into pieces. Later on the lights change and a 90's pop song appears, the performer dances and sings for us, a concert situation is built where the porcelain city is her stage. She sings very close to us, addressing the audience, having fun and joy, taking the space for herself.

Later the barbie sits on the horse traveling, flying through space. The two barbies meet again, the conversation continues, some drama and discussions make the two of them separate.

The space ends up very messy, broken, porcelain pieces all over the space. The constant danger that was being carried through the build up of the piece becomes a situation that has passed and there is no turning back. The drama that sustains the conversation of the two barbies, is reflected in the drama of taking care that the porcelain does not break, sometimes the significant is enlarged for seconds to later diminishes to what it really represents. 

 

Am Sonntag, dem 13. März 2022, sah ich im ada Studio die Arbeit „Babymaker“ von Maika Knoblich. Vor der Vorstellung sah ich das Bild in der Ankündigung, das verziertes Porzellangeschirr, Teller, Tassen in verschiedenen Größen, übereinander gestapelt, zeigte. Dieses Bild weckte in mir viele Assoziationen, wie: westliche Großmütter, zartes Material, Texturen, handgemacht, die Gefahr, dass etwas kaputt geht.

 

Als ich im Studio ankam, sah ich die Stühle in einem Halbkreis angeordnet, und in der Mitte lagen verschiedene Arten, Farben und Stile von Porzellangeschirr auf dem Boden. Zwischen all dem Porzellangeschirr standen zwei Barbies, eine weiß und blond, die andere weiß mit braunem Haar, ein Barbie-Auto und ein Pferd. Sobald wir saßen, begann die Performerin einen Text vorzulesen. Ein Baby, das kurz vor der Geburt steht, wird durch diese Worte getragen.

 

Nach dem Lesen stellte sie sich zwischen das ganze Porzellan und begann, Türme aus Tassen, Tellern und so weiter zu bauen... eins auf dem anderen. Ich muss sagen, dass diese Aktion viele Sinne im Publikum geweckt hat, der Akt des Beobachtens jeder kleinen Bewegung wird hervorgehoben, als ob wir vorhersagen könnten, was bald fallen wird. Nach und nach baute die Performerin eine Stadt um sich herum, in der verschiedene Arten von Architektur erkennbar sind. Die Form des Raumes verändert sich und auch die Wahrnehmung, das Verlangen entsteht, sich selbst kleiner vorzustellen, um in diese kleine Stadt zu passen.

 

Zwei Barbies treffen sich auf einer Seite dieser Stadt, die Performerin bringt sie zum Reden und ein Gespräch zwischen zwei weißen Frauen der Oberschicht beginnt. Die eine erzählt von ihren Problemen und Frustrationen, während die andere ihr mit nachdenklichen, aber ironischen Botschaften Ratschläge erteilt. Während ich zuhöre, denke ich immer wieder an die seltenen Momente, in denen ich Zeugin eines solchen Gesprächs war, vielleicht nicht mit demselben Thema, aber mit demselben Ton. Für mich selbst bezog es sich auf eine privilegierte Gesellschaftsschicht, und in diesem Moment reagierte ich mit der Klarheit, dass meine Gedanken mit dem Bild übereinstimmen - ja, natürlich sind es zwei Barbies.

 

Das Gespräch weitet sich aus, und in der Mitte des Gesprächs offenbart die Barbie, die von ihren Problemen erzählt, schließlich die Situation, die sie destabilisiert hat. Ein Baby war nicht geboren worden... Die Wünsche und Projektionen der Mutter gegenüber diesem neuen Lebenszyklus sind verwirrend. Nach der Lektüre des Programms bleibt das Wort "care" in mir präsent, ich bemerke, wie ich im Geiste Dinge benenne, die für mich nicht "care" sind. Die Tatsache, dass ein mit Salz gefüllter Porzellan-Salzstreuer in der Mitte der Bühne während der Show zerbricht, hat mich dazu gebracht, das Wort "care" zurückzunehmen, die Performerin warf etwas Salz hinter ihre Schulter, um Unglück zu vermeiden, vielleicht habe ich in diesem Moment verstanden, was "care" für mich bedeutet.

 

Die Performerin hinterfragt, wie empfindlich ein Stück Porzellan ist und wie viel Arbeit es erfordert, ein solches Stück herzustellen, die nächste Aktion: sie wirft das Porzellanstück auf den Boden, wobei es in Stücke zerbricht. Später wechselt das Licht und ein Popsong aus den 90er Jahren ertönt, die Performerin tanzt und singt für uns, eine Konzertsituation wird aufgebaut, in der die Porzellanstadt ihre Bühne ist. Sie singt ganz nah an uns, wendet sich an das Publikum, hat Spaß und Freude, nimmt den Raum für sich ein.

Später sitzt die Barbie auf dem reisenden Pferd, das durch den Raum fliegt. Die beiden Barbies treffen sich wieder, das Gespräch geht weiter, einige Dramen und Diskussionen lassen die beiden auseinandergehen.

Der Raum ist am Ende sehr unordentlich, zerbrochen, überall liegen Porzellanstücke herum. Die ständige Gefahr, die den Aufbau des Stücks begleitete, wird zu einer Situation, die vorbei ist und in der es kein Zurück mehr gibt. Das Drama, das die Konversation der beiden Barbies aufrechterhält, spiegelt sich in dem Drama wider, darauf zu achten, dass das Porzellan nicht zerbricht, manchmal wird das Signifikante für Sekunden vergrößert, um dann wieder zu dem zu schrumpfen, was es wirklich bedeutet.


Das ada Studio wird seit 2008 als Produktionsort von der Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt gefördert.


 

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