Text zu „A.PART Festival, Programm 2“ (13./14. Mai 2022) von Sharón Mercado Nogales, ins Deutsche übersetzt von Auro Orso

 

 

A.PART Festival for contemporary dance students and alumni 2022 - 2nd part of the program

 

Maria Rutanen & Joséphine Auffray | My body’s wild life 

 

The work of Maria and Josephine situated both performers as part of a landscape, the space was built in brown shades with 2 green plants and a furry island. One of the performers starts to roar on the mic, while the other is slowly moving, both bringing a feline quality in the voice and the body. They move in the space together and sometimes in unison, while their own builded attitudes are present. This quality allows them to transit through the floor, drawing trajectories and placing their bodies as part of the landscape. Towards the end each of them wears a fur coat, they bite each other and some hair is left between their teeth. Their wildness reinforces their presence, the light becomes red and some sentences are being left in the air, two felines inhabit the belonging of their own space. 

 

Milla Toppi & Lauren Fitzgerald | EASY 

 

The second work “Easy” activated the space in a way that became a dialogue among the performer Lauren Fitzgerald and the studio. Different doors or possibilities were opened through the movements of the space, like for example: the opening of the curtain activated a sound or the opening of the window a particular song. How the space speaks and how it reacts, answers, or imposes a situation for the performer as if it wants to show its own personality. This strategy opened many different possibilities for the performer to improvise and jump or shift from one narrative to a different one. I highlight how different chapters or scenes came together smoothly without really following a common thread, allowing the performer to explore and having fun with the material she was searching. 

 

Clara Dünnebeil | EinBlick 

 

For the third show of the night the studio was transformed into another environment, there were plants, tables, chairs, a clothes hanger and a painting, it seemed to provoke the association of someone's room because it brought a certain personality to the room. The performer place herself in this setting and she moved as if she was looking for possible trajectories within this configuration, triggering different emotions and intensities. She had long hair and generally this played like a cape that sought to hide her face, this physicality provided a feeling between escape and comfort. I question how one's own space (your safe space) can at the same time deal with the desire for constant change. The friction of comfort and discomfort played a big role in the quality of inhabiting a particular space. 

 

Asya Ashman & Konstantin Koryagin | Krepost 

 

The following work called “Krepost transformed the atmosphere in a way that we could no longer recognise the studio itself, it took us to a darker place with gothic aesthetics. On one side of the space there was a metal object that looked like a tower and on the other side a box that had a mirror on the inside surface. These two objects helped the performers to change spaces or situations by using them as scenography. Each performer built up a character, one was closer to a human being, she was dealing with the unknown, perhaps afraid of being adrift of where the journey might take her. While the other one seemed to know well the world that was presented, as if he already knew all its entrances and exits, I read him as an entity that most of the time accompanied the journey of the other performer. The work incorporated esoteric and mysterious elements combined with a certain irony in the attitudes taken by both performers. She is chased and ends up trapped inside the mirror box. A red light seems to tattoo her and the space becomes darker leaving only the red light of that machine. 

 

Jeanne Binet & Sofia Seta | Canticles 

 

The work Canticles took us to a physical and sonorous experience that immersed us in a contained room. Here the smallest details are highlighted, allowing us to look: how the physicality can walk together with the sound. Both performers wore metallic colors, their movements are contained and precise, establishing a certain musicality that brings certain logic to the audience, the rhythm of each performer complements the other one and sometimes they meet in unison. The work of Jeanne and Sofia approached a materialized sound experience”, an experience that in its duration makes you visualize: how sound and movement become containers of intentions and emotions, giving volume and shape to the elements. - How deep can one touch the sound? How does this affect the body? And how can the body show some resistance to it? Their practice created an access for the performers to embody the music, to fill the body with the weight of each sound and get rid of it when it’s necessary. 

 

A.PART Festival für Studierende und Absolvent*innen der Berliner Ausbildungsstätten für zeitgenössischen Tanz 2022 

2. Teil des Programms 

 

Maria Rutanen & Joséphine Auffray | My body's wild life 

 

Die Arbeit von Maria und Josephine situiert die beiden Performerinnen als Teil einer Landschaft, der Raum wurde in Brauntönen mit 2 grünen Pflanzen und einer pelzigen Insel gebaut. Eine der Performerinnen beginnt in das Mikrofon zu dröhnen, während die andere sich langsam bewegt, beide bringen eine katzenhafte Qualität in Stimme und Körper mit. Beide bewegen sich, manchmal im Einklang durch den Raum, während sie eigene Haltungen einnehmen. Diese Qualität erlaubt es ihnen, den Raum zu durchqueren, Bahnen zu ziehen und ihre Körper als Teil der Landschaft zu platzieren. Gegen Ende trägt jeder von ihnen einen Pelzmantel, sie beißen sich gegenseitig und es bleiben einige Haare zwischen ihren Zähnen zurück. Ihre Wildheit verstärkt ihre Präsenz, das Licht wird rot und einige Sätze bleiben in der Luft hängen, zwei Katzen bewohnen ihren eigenen Raum. 

 

Milla Toppi & Lauren Fitzgerald | EASY 

 

Die zweite Arbeit „Easy“ aktivierte den Raum auf eine Weise, die zu einem Dialog zwischen der Performerin Lauren Fitzgerald und dem Studio wurde. Verschiedene Türen oder Möglichkeiten wurden durch die Bewegungen des Raums geöffnet, wie zum Beispiel: das Öffnen des Vorhangs aktivierte einen Klang oder das Öffnen des Fensters ein bestimmtes Lied. Wie der Raum spricht und wie er reagiert, antwortet oder dem Interpreten eine Situation auferlegt; als wolle er seine eigene Persönlichkeit zeigen. Diese Strategie eröffnete der performenden Person viele verschiedene Möglichkeiten zu improvisieren und von einer Erzählung zu einer anderen zu springen oder zu wechseln. Ich möchte hervorheben, wie verschiedene Kapitel oder Szenen nahtlos ineinander übergingen, ohne wirklich einem roten Faden zu folgen, was der Darstellerin erlaubte, das Material zu erforschen und Spaß daran zu haben, es zu suchen. 

 

Clara Dünnebeil | EinBlick 

 

Für die dritte Show des Abends wurde das Studio in eine andere Umgebung verwandelt, es gab Pflanzen, Tische, Stühle, einen Kleiderbügel und ein Gemälde, das die Assoziation eines Zimmers zu wecken schien, da es dem Raum eine gewisse Persönlichkeit verlieh. Die Performerin positionierte sich in dieser Umgebung und bewegte sich, als ob sie nach möglichen Bahnen innerhalb dieser Konfiguration suchte, wodurch verschiedene Emotionen und Intensitäten ausgelöst wurden. Ihr langes Haar wirkte wie ein Umhang, der ihr Gesicht verbergen sollte, und diese Körperlichkeit vermittelte ein Gefühl zwischen Flucht und Komfort. Ich frage mich, wie der eigene Raum (der eigene „safe space“) gleichzeitig mit dem Wunsch nach ständiger Veränderung vereinbar sein kann. Die Reibung von Komfort und Unbehagen spielte eine große Rolle in der Qualität des Verweilens in einem bestimmten Raum. 

 

Asya Ashman & Konstantin Koryagin | Krepost 

 

Die folgende Arbeit mit dem Titel „Krepost“ (die Festung) verwandelte die Raumatmosphäre derart, dass wir das Studio selbst nicht mehr erkennen konnten, sondern an einen dunkleren Ort mit gotischer Ästhetik versetzt wurden. Auf der einen Seite des Raums befand sich ein Metallobjekt, das wie ein Turm aussah, und auf der anderen Seite eine Kiste mit einem Spiegel auf der Innenseite. Diese beiden Objekte halfen den Performenden, Räume oder Situationen zu verändern, indem sie sie als Bühnenbild verwendeten. Jede der performenden Personen baute eine Figur auf, die eine war näher an einem menschlichen Wesen, sie hatte mit dem Unbekannten zu tun, vielleicht hatte sie Angst davor, nicht zu wissen, wohin die Reise sie führen würde. Während der andere die dargestellte Welt gut zu kennen schien, als ob er bereits alle Ein- und Ausgänge kannte, las ich ihn als ein Wesen, das die meiste Zeit die Reise der anderen performenden Person begleitete. Das Stück enthielt esoterische und geheimnisvolle Elemente und eine gewisse Ironie in den Haltungen der beiden Performenden. Sie wird gejagt und ist schließlich in der Spiegelbox gefangen. Ein rotes Licht scheint sie zu tätowieren und der Raum verdunkelt sich, bis nur noch das rote Licht der Maschine zu sehen ist. 

 

Jeanne Binet & Sofia Seta | Canticles 

 

Die Arbeit „Canticles“ führte uns zu einer körperlichen und klanglichen Erfahrung, die uns in einen begrenzten Raum eintauchen ließ. Hier werden die kleinsten Details hervorgehoben, die es uns ermöglichen zu sehen, wie die Körperlichkeit mit dem Klang einhergehen kann. Beide Performerinnen trugen metallische Farben, ihre Bewegungen sind kontrolliert und präzise und schaffen eine gewisse Musikalität, die dem Publikum eine gewisse Logik vermittelt, der Rhythmus jeder Performerin ergänzt den der anderen und gelegentlich begegnen sie sich im Gleichklang. Die Arbeit von Jeanne und Sofia näherte sich einer „materialisierten Klangerfahrung“, einer Erfahrung, die veranschaulicht, wie Klang und Bewegung zu Behältern von Absichten und Emotionen werden und den Elementen Volumen und Form verleihen. - Wie tief kann man den Klang berühren? Wie wirkt sich das auf den Körper aus? Und wie kann sich der Körper dagegen wehren? Ihre Praxis ermöglichte es den Performenden, die Musik zu verkörpern, den Körper mit dem Gewicht jedes Klangs zu füllen und ihn loszuwerden, wenn es nötig ist. 


Das ada Studio wird seit 2008 als Produktionsort von der Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Europa gefördert.


 

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