Text zu NAH DRAN hyper-extended: workworkworkworkwork (21./22. April 2018) von Alexandra Hennig und Johanna Withelm

 

 

INTRO#
Streitgespräch: diese NAH DRAN hyper-extended Ausgabe, kuratiert von Lee Méir, mit dem lautmalerischen Titel: „workworkworkworkwork”, hat die Studioschreiberinnen dazu aufgefordert, sich aneinander abzuarbeiten. Entgegen unserer bisherigen Erfahrung haben wir die Stücke fast gegenteilig wahrgenommen und bewertet. Das folgende Streitgespräch führen wir nach dem Prinzip des hineingrätschens. Eine Studioschreiberin unterwandert, kommentiert und erweitert den Text der anderen mit kursiven Einschüben. Dieses Experiment zeigt auch, dass Arbeit ein weitreichendes und emotionales Thema ist: von physischen und affektiven Zuständen, vom Selbstverständnis (arbeitender?) Künstler*innen, über Identifikationen mit der Arbeiter*innen-Klasse zu tänzerischem Handwerkszeug.


Magdalena Meindl: Teeth and Claws

Verdächtige Geräusche vom anderen Ende der Uferstudios. Helle Klänge von aufeinander prallenden Metallstangen, dumpfe Schläge gegen Betonboden und brodelnde Stimmen erfüllen den lauen Frühlingsabend. Knurrende Anstrengung, spontane Wutausbrüche locken die wartenden Zuschauer*innen zum hinteren Eingang des Hofes.

Künstler*innen, die Einkaufswägen zerkloppen, ziehen Blicke auf sich.

Fünf Tänzerinnen haben sich mit Stangen, Steinen und Muskelkraft bewaffnet, um Radau zu machen, noch bevor wir den Theaterraum betreten. Vorbeilaufende Kids zücken ihre Handys, vermutlich ahnen sie, dass etwas von Beachtung vor sich geht. Die aufgeheizte Stimmung lädt zum Pöbeln ein, Beschimpfungen und Lacher prallen an den konzentrierten Performerinnen ab und versetzen höchstens einzelne Zuschauer*innen in Alarmbereitschaft. Wie weit werden sie gehen? Was, wenn theatrale Wut auf andere Wütende überspringt? Kunst und Konflikt, Ärger und Euphorie lassen Blech und Schrott in hohen Interpretationsbögen über den Hof fliegen, zu Boden gehen und Lebenswelten („Draußen“ und „Drinnen“) aufeinander prallen.

Das Stück „Teeth and Claws“ von Magdalena Meindl findet nach diesem performativem Aufruhr zurück in den geschützten Theaterraum. Die zerbeulten Einkaufswägen haben die Tänzerinnen mit auf die Bühne gerollt, die sie überzeugend stürmen. Dort entladen Carrie McILwain, Hanna Kritten Tangsoo, Mariana Nobre Vieira, Britta Wirthmüller und Janine Iten Wut, Anstrengung und eine Menge Energie – am Schlagzeug, mit Schlagstock vor dem Bauch, mit zu Fäusten geballten Händen am Boden kniend – herausfordernd.
Der Raum wirkt jedoch seltsam klein für die von draußen kommenden wütenden Tänzerinnen, als ob die Wut hier drinnen nicht mehr richtig entfachen kann, weil im Studio alles eng und begrenzt ist.

Die Choreografie gleicht einem Rausch. Mit hoch gerissenen Armen und verkrampften Fingern taumelt Britta Wirthmüller durch den Raum, Hanna Kritten wirft scheinbar schmerzfrei immer wieder den Kopf in den Nacken, ihre Arme durchschneiden den umliegenden Raum wie scharfe Schwerter. Sie ist die Einzige, die die komplette Dauer des Stücks nicht aufhört, ihren aerobicartigen Bewegungen in Endlosschleife nachzugehen. Das Material erinnert mich an Disziplin und Leistung, weniger an etwas Entfesselndes wie Wut. Oder ist das ihre Farbe der Wut?

Zum unbarmherzigen Rhythmus des Paukenschlags arbeitet das Ensemble sich an (verschiedenen Farben) von Wut und Verzweiflung ab, einzelne Tänzerinnen reißen Augen und Kiefer auf, geraten außer sich und kämpfen mit ihren Körpern zwischen Krämpfen, Unterdrückung und Entladung von Wut, während andere mit starren Blicken in drohenden Gesten verharren.
Dabei ist augenscheinlich, mit welcher Präzision und Ausdauer diese Choreografie entwickelt wurde. Die fünf Tänzerinnen formieren sich zu einer ungewöhnlichen Gang, deren Selbst-Empowernment Anerkennung verdient und auf manche Zuschauer*in überzuspringen vermag.

Ich habe das Ganze weniger als Rausch empfunden, sondern als seltsam eng getaktet und reglementiert. Die Momente des „völligen Ausrastens” (lauter Paukenschlag, Schreie, entfesselte Bewegungen) waren nur kurzer Dauer, darauf folgte stets eine längere Phase der Ruhe, in der es zu ungerichteten Handlungen kam, die sich mir nicht erschlossen. Stille, dann wieder unerwartet leise Paukenschläge, angedeutete Bewegungen, die eher verkopft anmuten als das sie etwas entladen zu scheinen, unklarer Rhythmus am Schlagzeug. Dann wieder schnelles Schlagzeug, Schreien, Rennen. Woraus entspringen diese unterschiedlichen Handlungen der Performerinnen? Welche Beziehung haben sie zueinander? Wo geht das Ganze hin? Braut sich etwas zusammen oder entlädt es sich stückweise? Der Aufbau und Rhythmus von Klang, Bewegung und Handlung der Performerinnen erscheint mir teilweise willkürlich und unentschieden.
Auch das Bezuglose unter den Performerinnen hat bei mir eher Ratlosigkeit ausgelöst. Die Gruppe erschien mir nicht einig zu sein, es gab keine übergreifende „Energie” sondern sehr persönliche, nebeneinander stehende und auch einsame Facetten von Wut. Auch das Ende war seltsam ungerichtet, alles wurde langsam ruhiger und plätscherte aus. So blieb am Ende jeder mit seiner individuellen Wut-Baustelle ziemlich alleine.

„Teeth and Claws” stellt auch die Frage, ob Wut (überhaupt) ein produktiver Motor, ein Grund für Gemeinschaft sein kann oder wenn nicht, wie sie sich künstlerisch übersetzen in einem geteilten Raum (Drinnen / Draußen / Wir / Die Anderen / jede*r mit sich selbst und den eigenen Wut-Geistern) verkörpert werden kann. Magdalena Meindl und Co haben sich der keineswegs leichten Aufgabe gestellt, tiefer liegenden Wut-Schichten nachzuspüren und diese außer-ordentliche Emotion choreografisch und physisch brodeln und ins Leere laufen zu lassen.


Jan Lorys & Natalia Wilk: Quandary – product of progressive un-working

Eine Stellwand kommt auf die Bühne gerollt, von vier Händen umklammert, dazu erklingt sofort, überraschend und laut der Synthie Pop/New Wave-Song „Dancing with Tears in my Eyes” von 1984 – ein knalliger Auftakt. In Bahnen von links nach rechts fliegen die Tänzer*innen Lorys und Wilk abwechselnd und voller Elan zu dem Popsong durch den Raum, während die Wand stets vor ihnen mit rollt und meist die Sicht versperrt. Ausdrucksstarke Hände, pointierte Füße schießen oben und seitlich hinter der Stellwand hervor, für kurze Augenblicke, werden die in schwarz-weißen Adidas-Trainingsanzügen gekleideten Tänzer*innen ganz sichtbar: es werden Räder geschlagen und hohe Beine in die Luft geschwungen, effektvolle Drehungen und schlitternde Bauchlandungen auf dem Boden vollführt: Spektakulärer Tanz-Tanz, gar nicht zu perfekt aber mit Hingabe und der richtigen Portion Selbstironie präsentiert, dazu der emotional mitreißende, hymnenartige Synthiepop-Song. Die rollende Stellwand schafft ein absurdes Bild und bewahrt die Tanzenden davor, ins Kitschige abzudriften. Ja – das war einfach ziemlich komisch – die gehetzten Künstler*innen (Laufen und Radschlag und Lächeln nicht vergessen) mit diesem unglamourösen Requisit, das aussieht, als hätten sie es von der Uni mitgehen lassen. Zugleich verwehrt sie den Zuschauenden auch, den dargebotenen Tanz vollends zu konsumieren – der Tanz als Entertainmentmaschine bekommt einen kleinen Knacks.
Interessanter Gedanke. Für mich war es fast ein bisschen andersherum: durch die rollende Leinwand und die versperrte Sicht haben sie meine Aufmerksamkeit halten können. Das ist doch auch so ein alter Zirkus-Trick: etwas im Verborgenen halten, um es als besonders spektakulär zu behaupten – funktioniert (fast) immer.

Was danach folgt, ist eine Hommage an alle prekär lebenden Freiberufler*innen: Mit einer Jonglier-Performance verhandeln die Beiden das Verwerten des eigenen Körpers und verweisen auf den Zirkus als Inbegriff des Spektakels. Mit Konzentration und Hingabe widmen sie sich der Jonglage, und auch wenn der Ball hinunterfällt, geben sie nicht auf es weiter zu probieren. Lorys und Wilk kommentieren kritisch die Situation freischaffender Künstler*innen und das Zerfließen der Kategorien Arbeit und Freizeit, und bejahen doch leidenschaftlich ihren Beruf: Das klassische Dilemma zwischen Kritik/Revolte und Hingabe zum Beruf/Selbstausbeutung findet hier statt, von den Tänzer*innen erfrischend selbstironisch und reflektiert vorgetragen (ein Dank geht im Programmzettel an ihre Eltern für die ewige finanzielle Hilfe). Zum Ende hüllt dunkles Schwarzlicht den Raum ein, die weißen Streifen der Trainingsanzüge leuchten, und Lorys und Wilk vollführen langsam Hebefiguren. Auch hier gilt das Prinzip der Sichtversperrung: Die Körper sind im Dunkel kaum noch zu sehen, die leuchtenden Streifen bilden geometrische Figuren im Raum und lassen Kunststücke erahnen. Ich denke hier wieder an Show-Tricks á la Friedrichstadt-Palast oder an Revue: Hauptsache optische Zerstreuung bei den Zuschauer*innen. Und wieder muss ich gestehen – es funktioniert (fast). Hier liegt für mich das Augenzwinkern der Arbeit: der Spagat zwischen Entertainment, Humor, Kritik und eine angenehme Portion Fatalismus.

Dazu ertönt ein Gebet voll bitterem Humor an Saint Precario als Verteidiger aller prekär Lebenden aus dem Off. Ein Gebet für all die Kassierer*innen, die Engel in den Callcentern, für Künstler*innen, Kranführer*innen und Amazon-Mitarbeiter*innen. Und auch die, die keinen Arbeitsvertrag haben, kaum Lohn und wenig Anerkennung bekommen. Mögen ihre Gebete erhört werden: „Send them Glory and Joy. For ever and ever. MAYDAY.”


Josephine Findeisen: SCHWEIßARBEIT

Josephine Findeisen widmet sich mit dem Duett Schweißarbeit (gemeinsam mit Verena Sepp) einem spannenden Thema: sie beschäftigt sich mit Klassismus im Feld des zeitgenössischen Tanzes und mit dem Zusammenhang von Bewegungskonzepten und Arbeit/sozialem Status.
Die beiden Performerinnen befinden sich zu Beginn in der Mitte des Raums, das Publikum sitzt auf kreisförmig angeordneten Kissen und Stühlen um sie herum. Beide tragen Jeans und neonorangene Pullover mit Reflektoren, die an Arbeitskleidung von Mitarbeiter*innen der Müllabfuhr erinnern.
Was folgt, ist wahrscheinlich der Versuch, Bewegungsmuster harter körperlicher Arbeit darzustellen: Die Performerinnen geben vor, etwas Imaginäres gegen Widerstand von sich wegzudrücken oder zu sich zu ziehen, schwere Gegenstände zu heben, etc. Das Problem beim Betrachten ist leider auch genau dieses „vorgeben etwas zu tun”. Wirkliche Arbeit (Muskeltonus, Atmung, etc.) scheint im Körper der beiden überhaupt nicht anzukommen, stattdessen mutet das Ganze eher pantomimisch an, wie eine etwas naive Nachahmung von Schwerstarbeit. Hier hätte es vielleicht gut getan, das Ganze abstrakter anzugehen: Wie wäre es gewesen, wirklich mit innerkörperlichen Bewegungsqualitäten der Anstrengung zu arbeiten, gegebenenfalls in abstraktes Material zu überführen und damit eine Wirklichkeit zu schaffen, anstatt körperliche Anstrengung „nur” zu spielen? In meiner Vorstellung liefen die Schweißtropfen jedoch ‚wirklich‘ über die Schläfen, konnte ich die Anstrengung (und Anspannung) der beiden deutlich spüren. Auch wenn die Bewegungsqualitäten sicher nicht bis ins Letze ausgearbeitet waren, ging doch etwas Heikles und Intimes vor sich: die minimale Distanz zu den Zuschauer*innen, ihr Ausgestellt-Sein und das Fragile daran, hat mich eher zur Komplizin gemacht. Ich hatte das Gefühl, dass hier etwas Aufrührendes, etwas von Bedeutung vor sich geht.

Josephine Findeisen liest einen Text vor über die Modern Dance-Ikone Isadora Duncan und deren Interesse für politische und revolutionäre Gesten, über Arbeiter*innen in der industriellen Produktion (früher) und im Service- und Logistikbereich (heute), und über freischaffende Tänzer*innen, die schlecht bezahlte oder unbezahlte Jobs annehmen oder für ihre Freunde umsonst arbeiten. Ich habe das Gefühl, dass hier jetzt ziemlich viel durcheinander geht. Auf jeden Fall ist das alles durcheinander geworfen worden. Aber auch das hat mich komischerweise nicht gestört. Wir sind ja gerade in unserem Arbeits-Feld ständig mit Überkreuzungen von Ebenen beschäftigt, die überhaupt nicht zusammen passen und uns damit vor Fragen von Relevanzproblemen und Zugehörigkeiten stellen. Im Sinne von: Gerade noch den Tag in der Bibliothek mit Isadora Duncan verbracht, in der U-Bahn neben dem Security-Mitarbeiter gesessen (und wissen, dass sie den letzten Scheiß-Job machen), nach Hause kommen, Absage vom Förderantrag im Postfach finden und trotzdem weiter machen…

Ebenfalls etwas hilflos wirkt der Umgang mit einer weiß-durchsichtigen Masse von fester matschartiger Konsistenz die auf dem Boden liegt und von der die Performerinnen jeweils einen großen Klumpen in die Hand nehmen. In Slow Motion heben sie den Arm mit der Masse in der Hand zum Wurf an wie Diskuswerfer – auch hier wieder ein seltsames Schauspiel von Bewegung.

Zum Ende hin nehmen die Beiden dann doch noch einmal Fahrt auf, wenn sie synchron und genau pointiert, einen Monolog eines Lager-Arbeiters aufsagen, der seine vertrauten Arbeitsabläufe und die Handhabung der Arbeitsmittel (Scanner) oder das Ein- und Ausstempeln am Arbeitsplatz (elektronische Erfassung der Arbeitszeit) minutiös beschreibt. Und darin das ganze perfide System von Arbeit /dem Verkauf der Arbeitskraft beschreiben. Die Körper dieser Arbeiter sind streng eingetaktet – alle Arbeitsabläufe auf die Minute vorgegeben (Umkleide, einchecken, Pause machen, einchecken – keine Minute zu lang). Die Performerinnen sprechen diesen Text künstlich genau, unterstrichen mit synchron ausgeführten Armgesten – mit der distanziert-präzisen und respektvollen Interpretation dieses Monologtextes bekommt das Ganze auch doch noch eine politische Kraft. Ich hab mich wirklich auch gefragt, wie sie zu diesem Text gekommen sind. Der war jedenfalls sehr präzise, genau recherchiert und vorgetragen. Der/die Protagonist*in sprach aber auch vom Stolz über die eigene Leistung, seine/ihre Arbeit gut zu machen, die Erwartungen zu erfüllen oder sogar zu übertreffen, in dem er*sie die ohnehin unmenschlichen Arbeitsabläufe noch effektiver gestaltet hat. Damit haben sie einen Pfad eingeschlagen, den ich gerne noch weiter verfolgt hätte. Das Dilemma der Arbeiter*innen zwischen Zwang und dem need nach Anerkennung.

Mit dem Ende wird dann noch ein Arbeiter-Klischee bedient – es ist trotzdem charmant, wenn Josephine Findeisen drei Bierdosen hervorholt und verteilt: jeweils eine für die Performerinnen, und eine für den Techniker Ansgar Tappert, der die Show am Pult begleitet hat (hatte kurz die Hoffnung, es gäbe jetzt Freibier für alle ;) ). Die drei öffnen ihre Dosen und stoßen an. Feierabend.


Yotam Peled und Myriel Welling: „Home.Alone”

Liebe ist Arbeit. Allein sein auch. „Home.Alone”, das sehr tänzerische letzte Duett des Abends, arbeitet sich an verzwickten Beziehungskonstellationen und festgefahrenen Paar-Dynamiken ab. Der israelische Tänzer und Choreograf Yotam Peled und die balance 1 Absolventin und Tänzerin Myriel Welling zeigen dabei ein virtuoses Spiel zwischen Nähe und Ferne – Abkehr und Zuwendung. In pastellfarbenen, schicken Blusen und Hosen stehen sich die zwei Augenweiden gegenüber und können einander doch nicht mehr erkennen. Ihre Berührungen wirken inszeniert, sehnsüchtig oder verzweifelt – es sind die letzten Versuche zweier Menschen, den*die Andere*n bei sich zu halten. Köpfe legen sich auf Schultern ab, Arme umklammern einander wie ferngesteuert. Gut gearbeitetes Partnering, das mit den (klassischen) Motiven des Fallens, Festhaltens, mit dem Ziehen und Wegschieben des Gegenübers spielt.

Es ist schön und zuweilen bewegend, den beiden bei diesem Trennungs/Rettungs-Tanz zuzuschauen. Gleichzeitig fällt diese Arbeit ästhetisch und konzeptuell ein wenig aus dem Rahmen des Abends – überhaupt: Mann und Frau/romantische Zweierbeziehung: kann man frau das noch so unreflektiert auf die Bühne bringen? Das habe ich mich auch gefragt. Aber muss es jetzt immer ein queerer Ansatz sein, sobald es um menschliche Beziehungen auf der Bühne geht? Können eine Frau und ein Mann auf der Bühne nicht mehr eine „Beziehung tanzen”, ohne ihre Zuschreibung zum Geschlecht zu hinterfragen? Schwierig... Allerdings: Das wurde auch schon ziemlich oft getan – in dem Sinne fügt diese Arbeit auch nichts Neues hinzu.

Obendrein lenkt die unverhohlen ausgestellte Virtuosität der Tänzer*innen fast von den kleinen, unterschwelligen Gegen-Bewegungen ab, die die Form unterlaufen und die (allzu) lyrischen Momente, die Hebefiguren und gestreckten Beine ein wenig aufrauen... Ich weiß nicht, ob sie ihre Virtuosität ausstellen, sie sind halt tänzerisch ausgebildet und arbeiten damit. Ich frage mich ohnehin, ob man sich als Tänzer*in in der ziemlich diskurslastigen Berliner Tanzszene heute schon dafür entschuldigen muss, sein Handwerk gelernt zu haben? Schade finde ich eher, dass sie ihr tänzerisches Können nicht mehr dazu genutzt haben, originelles Material zu erfinden. Da habe ich mir manchmal weniger konventionelle Hebungen und Schritte, dafür mehr Mut zum Experimentieren gewünscht. Also eher die versierte Technik umlenken in die Arbeit an „herausfordernden” Bewegungsqualitäten, so dass etwas Neues, Unberechenbares entstehen kann.

In jedem Fall eine tänzerisch starke Arbeit, die wohl je nach Beziehungsstatus, Herzensangelegenheit und Sehgewohnheit berührt oder fern bleibt.


Das ada Studio wird seit 2008 als Produktionsort von der Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Europa gefördert.


 

 

 

 

 

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