Text zu 10 times 6 (9./10. November 2013) von Anna Volkland

 

 

Der zeitgenössische Tanzperformer bewegt sich, um Fragen zu stellen.
(Die Studioschreiberin hat auch keine Antworten, aber einen Kommentar für jedeN.)

 

Sechs Minuten-Tanzstücke können ganz unterschiedlich lang sein, nämlich in der Regel zu lang oder zu kurz. Sechs Minuten sind also eigentlich keine gute Länge für Tanz, oder aber eine gute, wenn man schnell herausfinden will, was jemanden als TänzerIn, PerformerIn oder ChoreographIn auszeichnet. Mein erstes 10times6-Erlebnis erinnerte mich jedenfalls ans Kinotrailer-Schauen: Es war relativ schnell klar, ob ich den jeweiligen Langfilm auch sehen wollen würde oder lieber nicht. Meine Beobachtungen und Kommentare liste ich hier jetzt mehr oder weniger gnadenlos der Reihe nach (*) auf:

Eine der wenigen, die aus dem Trailer tatsächlich eine für das Minizeitfenster gut passende Miniperformance gemacht hat und gleichzeitig den Abend mit der sehr langen Popcorn-Phase sehr schön einleitete, war Kasia Wolińska. Sie studiert derzeit am HZT und tanzt nach eigenen Aussagen gern und viel, in ihrem als Duett angekündigten Solo aber gar nicht, was bedeutet, dass man sich einige Gedanken zu Begriffen und Behauptungen machen kann, oder das lustig finden. Vielleicht ist mit ihrem Stücktitel "Hi Mary" ("Es ist ein Duett. Mit Mary.") auch die natürlich unsichtbare Mutter Gottes gemeint, aber das ist vor allem meinem Vorurteil geschuldet, dass Polen sich immer mit dem Katholizismus beschäftigen. Schön wird es, wenn man sich einfach dem Charme des stilsicheren, rosaroten Trash-Arrangements hingibt, um, wie es sich für die Eröffnung eines Abends gehört, Erwartungen aufzubauen und Vorfreude als die schönste Freude zu sehen. – Zuerst teilt die Choreographin an jeden Besucher, der den schummrig beleuchteten Studioraum betritt, eine sicher in mühevoller Handarbeit mit Folie und Schleife umwickelte Praline aus, trägt einen irgendwie rosa Pulli, möglicherweise mit glitzernden Kätzchen drauf, vielleicht aber auch etwas ganz anderes, jedenfalls einen Pulli, den man nur tragen kann, wenn man über jeden Verdacht der Geschmacklosigkeit erhaben ist, und dazu passend eine Art Turnhose und Badelatschen oder Pantoffeln, und weil wirklich alles perfekt zu dieser furchtbaren Gemütlichkeit passt, hören wir einen weichgespülten Schlager von Krzysztof Krawczyk, der auf deutsch nicht lange zu ertragen gewesen wäre, so aber zur totalen Entspannung beiträgt. Irgendwie scheint alles möglich und dann auch noch okay. Gastgeberin Kasia nimmt sich, als alle sitzen, dann erstmal die Zeit, in Ruhe ihre Praline zu essen, und es ist schon eine Kunst, dass das ganz selbstverständlich aussieht. Danach bietet allen sie Bio-Vollmilch aus der Glasflasche an, und zwar ebenso selbstverständlich, obwohl außer ihr, soweit ich es mitbekommen habe, niemand etwas davon genommen hat. Dann gibt sie ihr "Album" herum, das natürlich mit rosa-goldenem Blumenpapier beklebt ist und eine übersicht ihrer bisherigen Arbeiten zeigen soll (kam leider nie bei mir an) und die Glücklichen in der ersten Reihe werden zusätzlich mit einem zarten Berühren ihrer Knie belohnt, gefolgt von Blicken ins Publikum, die vielleicht verwundert, vielleicht spöttisch, vielleicht verschwörerisch sein sollten, vielleicht auch absichtlich ganz rätselhaft. Danach noch eine halbe Wendung und eine kleine Bewegung mit eben jener Hand (noch oben gerichtet) und fast verdichtet sich die ganze Prozedur zu einem klebrig-süßen Gottesdienstchen ohne Gott – bis Kasias Handy klingelt, um das baldige Ende der 6min anzukündigen, woraufhin sie zum selbst gebastelten Altar mit leuchtenden Kaninchen, künstlichen Rosen und einer Art Trauerflor geht, um den Stecker zu ziehen und das war’s dann. Hm...? Ich würde gern mehr von ihr sehen.

Das dann folgende Duett zweier zwischendurch auch mal in Berlin lebender Performerinnen – Hannah Lee und Liisi Vihavainen – in Unterwäsche (?) will verrückte Materialspiele mit haushaltsüblicher Klarsichtfolie zur Illustration einer sehr speziellen Beziehung nutzen, in der die eine versucht, der anderen die Folie zum Beispiel über Kopf und Gesicht zu ziehen und beide sich immer wieder verwickeln und verwursteln (genau: wurstelig war’s). So ein Küchenbondage ist zu Hause oder im Maggi-Kochstudio sicher lustiger als auf einer Studiobühne – sehr viel mehr kann ich zu "WRAP" leider gar nicht sagen. (Die beiden versuchen es an diesem Abend allerdings später noch einmal.)

Als Liam Clancy auf die Bühne schlendert, denke ich zuerst, jetzt wird es wirklich lustig. Es stellt sich aber heraus, dass er so etwas wie der kalifornische Nik Haffner ist und es eher ernst meint mit dem künstlerischen Experiment (Performer, Choreograph und Dozent an der Fakultät für Tanz und Theater der University of California, der sich vor allem für Arbeitsweisen interessiert). Er kombiniert in "hi" raumspezifisches Turnen – erst am Heizkörper, dann am Kabelschacht neben der Tür, dann in der Raummitte – mit Sprache. Ein mehrmals wiederholter Satz lautet (in etwa): "Since I’m going to use inexplicit terms I will start…", was meine Spaßhoffnung sofort diszipliniert. Anschließend zählt er einige lose assoziierte Begriffe auf, meist auf Deutsch, es klingt hart und fremd, ich fühle mich zum Mitdenken aufgefordert, verstehe aber wenig. Zwischendurch absolviert Liam Clancy flink kleine Bewegungsfolgen, die er sich selbst mit der knappen Anweisung "Go!" befiehlt. Alles läuft sauber und gut strukturiert ab, akademisch. Ich frage mich, ob so das Deutschlandbild des Tanzdozenten aussieht? Vielleicht hat es mit Deutschland auch gar nichts zu tun und deutsche Vokabeln findet er in Berlin einfach angemessen. Ich kann auch nicht behaupten, hier ein besonders mitdenkwilliger Zuschauer gewesen zu sein – bei derart nüchternen Rätseln...

Umso gefühlvoller und niedrigschwelliger wird es im Anschluss: Ein Damentrio mit Vertreterinnen aus drei Generationen, geschmackvoll und qualitativ hochwertig in blau-grüne Strickmode und Alltagstaugliches gekleidet, schwingt zu Arvo Pärt (schöne Streicher, zart und sakral) die Arme, wiegt sich vor und zurück, formiert sich, einander immer wieder Hände auf die Schultern legend, innehaltend und gefasst, aber nicht schwermütig in unsichtbare Ferne schauend. Die drei Lebensalter nebeneinander zu sehen, ist anrührend (die Musik mag den Eindruck unterstützen), schade nur, dass die älteste Tänzerin nach höchstens zwei Minuten den Raum schon wieder verlassen muss, als wäre Tanz etwas, das im Alter sparsam dosiert sein müsse. Entsprechend bleibt nach etwa vier, fünf Minuten die jüngste Tänzerin allein zurück und obwohl sie sich anmutig und doch erdverbundenen durch ein stilles, hübsches Solo schwingt, fehlt die Differenz zu den älteren Tanzgefährtinnen. Gerade diese Differenz der Bewegungsqualitäten und -erfahrungen war aber doch das Spannende und die Mobile Dance Company-Leiterinnen Jo Parkers und Fiona Edwards (die selbst mit tanzte) haben einige Erfahrungen in Mehrgenerationenprojekten. Falls die Premierenversion von "Linked" (Mai diesen Jahres) länger als 6 min dauerte, könnte sie eventuell Aufklärung bieten, so aber war der beste Teil des Kurzstücks leider schon zu Anfang vorbei.

Die Performance von Asayo Hisai, die erst seit ein paar Monaten in Berlin lebt und arbeitet, ist dann ein echter Höhepunkt (klugerweise folgt nach ihr erstmal nur die Pause). Auf der erzählerischen Ebene bleibt "thursday" für mich zwar sehr viel düster-abstraker als im Ankündigungstext beschrieben, aber das macht überhaupt nichts, weil Asayo Hisai sich unheimlich gut bewegt und dies einer der seltenen Momente ist, in denen Tanz nur als Tanz beschrieben werden kann, wie ein zweckfreies Spiel, das gespielt werden muss. Wenn Bewegung wirklich schön ist, ohne kitschig oder "poetisch" zu sein, kommen meine Möglichkeiten der Beschreibung jedenfalls an ihre Grenzen. Ich versuche es natürlich trotzdem. – Während des gesamten Solo zieht Asayo es vor, auf einer einzigen Stelle stehen zu bleiben, was sie aber nicht daran hindert, eines der dynamischsten Tanzstücke des Abends zu zeigen: sie wirkt dabei weniger wie eine Tänzerin als eine – ähm, Alge oder Seeanemone in einer starken Wasserströmung, ihre Bewegungen sind zugleich fließend und präzise, sanft und kraftvoll, scheinbar natürlich und ohne Anstrengung und doch überhaupt nicht organisch aus Sichtweise der menschlichen Anatomie. Zuerst sehen wir eine ganze Weile vor allem Asayos schwarz-glänzende Haare, denn sie hält ihren Oberkörper in einer denkbar unbequemen 90° -Vorbeuge frontal gegen das Publikum gerichtet, so dass vor allem ihre hellen Hände, Unterarme, Füße und Unterschenkel sichtbar sind, alles andere ist gefühlt schwarz und unwichtig. Dazu etwas dumpfe elektronische Musik – angesichts der Schönheit der Bewegungen wahrscheinlich die einzig mögliche musikalische Begleitung. Die Finger und Hände beginnen den Tanz, der dann die Arme und schließlich den gesamten Körper erfasst, ohne dass die beschriebene vorgebeugte Haltung grundsätzlich verändert würde. Im Nachhinein erscheint mir das als erstaunliche (Rückenmuskel-)Leistung der sehr zarten Tänzerin, beim Zuschauen sieht es aber ganz selbstverständlich aus. Hätte das Solo länger gedauert, hätte sich das Wasserpflanzentier früher oder später verwandeln und menschenähnlicher werden müssen – vielleicht gut, dass das nicht möglich war. Die Vorstellung eines verwandelten Körpers im Tanz ist mehr als ein guter Stoff für Tanzdouble verschweigende Hollywood-Phantasien über psychotische Ballerinen.

Viele Metamorphosen ganz ohne Illusionen bietet zu Beginn der zweiten Halbzeit das vollkommen anders gestrickte Tanztheaterzirkusstück "Memory Game Bird Brain", das mit seinen regenbogenbunten Requisiten und der ein wenig zu süßlich-verspielten Musik sicher für kleine Kinder sehr gut funktioniert. Die beiden sympathischen Performer Liz Erber und Robert Rodgers tanzen, turnen und ulken sich dabei durch verschiedene Mini-Geschichten, die insgesamt lustigen Nonsens ergeben. Aus meiner Sicht wäre ein wenig weniger Nettigkeit interessanter gewesen, auch für nicht mehr ganz kleine Kinder. Vielleicht um ein erwachsenes Publikum anzusprechen, erklären die beiden im Programmzettel, dass es sich bei "Memory Game Bird Brain" um ein herausforderndes Konzentrations- und Gedächtnisspiel für die Performer handelt, allerdings muss ich gestehen, die Erläuterungen nicht richtig verstanden zu haben... Warum müssen sich die beiden, wie sie schreiben, an jedes Detail der Aufführung erinnern, wenn es sich um Improvisation handelt (wonach es allerdings nicht aussieht) und worin liegt das Besondere des Sich-Erinnern-Müssens, wenn sie mit ihrer Performance einer Choreographie folgen? Wahrscheinlich verstehe ich den Witz US-amerikanischer Performer (siehe Liam Clancy) an diesem Abend einfach nicht. Schade.

Im Dunkeln trippelt dann eine der HoffnungsträgerInnen des tanz-Jahrbuchs 2013 herein: Anna Melnikowa. Als wirklich gute Choreographin hat sie selbst ihr 6min-Stück "Intakt", quasi Nebenprodukt einer Recherche zum Thema Rhythmus, gut strukturiert: Einleitung, Entwicklung, Höhepunkt – Ende. Das schnelle Ticken einer Uhr trägt sie zu Beginn in den Raum, ohne Licht fast unsichtbar, verschwindet dann (diesmal mit Licht) in einer Ecke und würde sich wohl fast durch die Wände hindurch wieder nach draußen pressen, entschlösse sich nicht ein Fuß, die rückwärtsgewandte Choreographin ohne Gesicht zurück in den Raum zu ziehen. Dort hat das erstmals sichtbare Gesicht dann den angenehmen Ausdruck von jemandem, der ganz bei dem ist, was er tut und Freude daran hat. Anna Melnikowa bewegt sich mit einer beiläufigen Anmut und ich erkenne keine schon hundertmal gesehenen "this is contemporary dance"-Posen, für ihr ziemlich ungewöhnliches Kostüm (oder ist es gar keins und sie will später noch auf einen Sektempfang?) gilt dasselbe: schwarzes Neckholder-Top, enge Jeans und zierliche Schnürstiefel. Eigen, ohne originell sein zu wollen. Schließlich kommt es auf Wegen, die im Nachhinein nicht nachzuvollziehen, im Moment des Schauens aber zwingend sind, zum Schnellsteppsolo, das das hektische Ticken der Uhr in ein Sohlenklappern-Accelerando transponiert, bis der gesamte Körper der Performerin vibriert. Die hat sichtlich Spaß an diesem kleinen Geschwindigkeitsexzess und hört, als es schneller oder auch nur genauso schnell nicht mehr geht, einfach auf, ohne dramatischen Zusammenbruch als Versinnbildlichung der naturgemäß schlimmen Folgen des Immer-schneller-weiter-höher-mehr-Imperativs. Gefragt hat Anna Melnikowa sich u.a. nach unseren bewussten Entscheidungen im Umgang mit den überall (vorge)schlagen(d)en Tempi, was ich schlicht für eine gute Frage halte. Den Langfilm würde ich also gern sehen.

Als Bewegungskomponistin und physisch beeindruckende Performerin fällt gleich im Anschluss Arianna Rodeghiero auf. Obwohl urprünglich in Theater und Musik ausgebildet, sieht sie überraschenderweise aus wie eine Leichtathletin und auch ihr Vorhaben ist sportlich: "Sonata in 3 movements" ist als Bewegungsrecherche nur für den Oberkörper angekündigt und ein platzsparendes Standsolo, das ein sehr gutes Gedächtnis und einiges an Schulter-, Arm- und Torsoarbeit fordert. Das Setting ist äußerst puristisch: helles Studiolicht, kein Sound, Trainingskleidung und Zopfgummi. Die Faszniation, die von dieser choreographischen übung ausgeht, entsteht allein aus der Bewegung und dem sehr aufmerksamen Blick der Performerin, die selbst ihre erste Zuschauerin ist, als müsste sie ihre sich unablässig auf verschiedenste Weise bewegenden oberen Gliedmaßen genauestens im Auge behalten. Es ist ein Gestentanz, der keine Geschichten erzählt, sondern Vielfalt an formalen Bewegungsmöglichkeiten, verschiedene Rhytmen und Muskelspannungen, verschiedene Arten des Umgangs mit Schwerkraft, Schwungkraft usw. sehr dicht aneinanderreiht. Die so präzise Ausführung einer derart umfangreichen Bewegungsvorschrift kann man fast virtuos nennen. Spannend ist jetzt, was eine umfangreichere Arbeit mit diesem Material erzählen könnte.

David Blooms Choreographie für Claudio Greco, "Fugue", ist ganz sicher mehr als eine Tanzstudie, auch wenn der Programmhefttext hier ebenfalls eine sehr kompliziert klingende choreographische Aufgabenstellung erläutert, die mit musikalischen Prinzipien und zerlegten Körperhälften zu tun hat. Während darin ein Bezug des Titels zum Musikstück Fuge nahegelegt wird, lässt das, was tatsächlich inszeniert ist, eher an andere übersetzungen denken: "Fluchtreflex, krankhafter Wandertrieb, Dissoziative Fugue". Aber ich sollte wahrscheinlich den Programmzettel besser gar nicht lesen. Angesichts der erfrischend rau wirkenden Claudia Greco mit der subtilen Rapper-Haltung (Schultern präsent, Brustbein entspannt, Kopf etwas schief) wäre ich nie auf die Idee gekommen, dass sie im wahren Leben Musicaldarstellerin ist. Und weil ich all das sowieso erst im Nachhinein gelesen habe, sehe ich erstmal Folgendes: eine junge, unterschwellig wütende Frau, dazu drei Radios, die mehr oder weniger gleichzeitig Texte senden, von denen ich leider überhaupt nichts verstehe, nicht einmal, ob englisch oder italienisch oder irgendetwas ganz anderes gesprochen wird und ob das vielleicht vollkommen irrelevant ist. Ich frage mich, ob das alte Aufnahmen politischer Reden sind – weiß der Himmel, warum. Oder doch, ein wenig weiß ich warum: wegen Claudia Greco, die scheinbar ein sehr wichtiges Anliegen hat und von irgendetwas getrieben wird. Als getrieben erscheint sie wiederum vielleicht auch nur deshalb, weil sie an diesem Abend die erste ist, die den kleinen Raum mit großen Sprüngen von der Mitte aus (wo sie ansonsten steht und ins Publikum schaut) nach links und rechts zu vermessen scheint, überhaupt weit ausholende, energische Bewegungen macht, als wäre der Raum zu klein (eben: oder sie große Bühnen gewohnt...). Was also auch immer da als vorletztes Stück gezeigt wurde, ich war wohl nicht dabei.

Zum Abschluss tritt noch einmal das Damenduett vom Anfang auf – Hannah Lee und Liisi Vihavainen –, diesmal in einer Inszenierung der finnischen Choreographin Katja-Maria Taavitsainen, und, ein fast unheimlicher Kreisschluss, wieder mit einer (unsichtbaren) Unbekannten: "The one we don't know". Es ist alles andere als ein süßes Duett mit Mary. Beide Performerinnen haben nasse Haare, vielleicht sind sie insgesamt nass, Hannah steht, Liisi liegt die meiste Zeit am Boden, irgendwann geht sie zu Hannah – die Augen der beiden öffnen sich nie. Das hat etwas von einem Totentanz, oder fast würde ich sagen: schlafwandelnden Wasserleichen, aber das klingt komischer als es ist. Was an Bewegungen stattfindet, ist nicht spektakulär, sowieso passiert wenig. Hannah Lee spielt sehr überzeugend einen inneren Horrorfilm, während Liisi Vihavainen als ausdrucksloses Ophelia-Gespenst durchgeht und neben Hannah, die wie ein beständig kurz vorm Ausbruch stehender Vulkan und zu allem bereit wirkt, wahrscheinlich keine andere Möglichkeit hat, als vollkommen in Passivität aufzugehen. Als ideales Gespann erscheinen die beiden also auch hier nicht, mit Katja-Maria Taavitsainen war's dennoch etwas mehr als nur seltsam, womit meine Lust auf noch mehr zu diesem Zeitpunkt dann auch erst einmal vollkommen befriedigt ist.

(*) Text-Chronologie entsprechend des Programmzettels (Namen der Choreographen): Kasia Wolińska, Hannah Lee & Liisi Vihavainen, Liam Clancy, Mobile Dance Company, Asayo Hisai; Liz Erber & Robert Rogers, Anna Melnikova, Arianna Rodeghiero, David Bloom & Claudia Greco, Katja-Maria Taavitsainen.

 


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